Dienstag, 15. Juli 2014

Lexikon: Nähmaschinennadeln

Hier mal ein Beitrag zu verschiedenen Nadeln. Die Wahl der richtigen Nadel stellt für viele ein großes Problem dar. Ich hoffe, dass ihr nach dem Lesen dieses Beitrags besser damit zurecht kommt ;)

Zunächst einmal unterscheidet man zwischen Rundkolben- und Flachkolben-Nadeln, beide Systeme werden bei Haushaltsnähmaschinen eingesetzt. Flachkolbennadeln haben die Systembezeichnung 130/705 H, Rundkolbennadeln die 287 WH bzw. 1738 A.
Die bekanntesten Hersteller für Nähmaschinennadeln sind Schmetz und Organ. Billig-Nadeln sind leider oft nicht wirklich qualitativ, so ist entweder das Stichbild schlecht, die Nadeln sind schnell abgenutzt oder brechen leicht.


Man unterscheidet verschiedene Nadelstärken (NM), nämlich 60 - 65 - 70 - 75 - 80 - 90 - 100 - 110 - 120 - 125 - 130. Angegeben wird hier der Schaftdurchmesser in 1/100 mm. NM 60 entspricht also einem Schaftdurchmesser von 0,6 mm, NM 130 einem Schaftdurchmesser von 1,3 mm.
Auf den Päckchen und den Nadeln ist meist eine Doppelbezeichnung angegeben zB 90/14, dabei steht die zweite Zahl für das ältere Singer-System der Nadelstärke.

Die Nadelstärke wählt man immer passend zum Stoff, bei dünnen, leichten Stoffen eine dünnere Nadel, bei dicken, festen Stoffen oder sehr vielen Lagen Stoff eine dickere Nadel.

Da das System 130/705 H das gebräuchlichste ist, beziehe ich alles weitere auf diese Nadeln.


Bei den Schmetz Nadeln sind die verschiedenen Nadelstärken durch die untere Farbmarkierung gekennzeichnet.
Außerdem gibt es verschiedene Nadeltypen für verschiedene Arten von Stoff, die durch die obere Farbmarkierung gekennzeichnet sind.
Ältere Nadeln oder Nadeln von anderen Herstellern, die keine Farbmarkierung haben kann man ganz einfach mit Nagellack markieren.

Die gebräuchlichste Nadel ist die Universalnadel (130/705-H), die für viele Stoffarten geeignet ist. Diese hat nur eine Farbmarkierung, nämlich für die Nadelstärke.

Universalnadeln gibt es in NM 60 bis NM 130. Die Nadelspitze ist leicht verrundet.
Materialien, die mit der Universalnadel genäht werden können, sind Baumwoll-Webware, Popeline, Anzugstoff, Batist, Brokat, Chambray, Chenille, nicht dehnbarer Cord, Filz, Baumwollfleece, Frottee, Halbleinen und Leinen, Jacquard, Loden, Mantelstoffe, Nessel, Polyesterstoffe, Seersucker, Tüll, Velours, gewebte Viskosestoffe, Voile und Wollgewebe.

Jerseynadeln (130/705 H-SUK) haben eine
leichte Kugelspitze, sie sind also etwas abgerundet. So gleiten sie durch die Maschen und zerstören die Fasern nicht. Der Stoff würde sonst Löcher bekommen und aufribbeln. Jerseynadeln gibt es in NM 70 bis NM 100, sie haben eine orange Farbmarkierung. Sie sind allerdings nur für wenig dehnbare Strick- und Wirkwaren aus 100% Baumwolle geeignet, sowie für Ajour, Bouclé, Gaze, Funfur (Pelzimitation) und Webpelz.


Stretchnadeln (130/705 H-S) sind quasi die Weiterentwicklung der Jerseynadeln. Sie haben neben der Kugelspitze auch noch einen Hohlkehlschaft und ein besonders geformtes Nadelöhr. So werden Fehlstiche vermieden, das heißt es werden keine Stiche ausgelassen oder falsch gestochen.  Stretchnadeln gibt es in NM 65, 75 und 90, sie haben eine gelbe Farbmarkierung.

Stretchnadeln sind für alle elastischen und hochelastischen Maschenwaren  geeignet. Dazu gehören Jersey mit Elasthananteil, Bündchen, dehnbarer Fleece, Ausbrennersamt, Feinjersey, Singlejersey, Lycra, Seidenjersey, Miederstoffe, Nicki, Pannesamt, Samt, Seidenjersey, Sweat und Viskosejersey.

Den Unterschied zwischen der normalen Spitze der Universalnadel und der Kugelspitze bei Jersey- und Stretchnadeln kann man weder sehen, noch mit der Fingerspitze fühlen. Wenn man sich aber mit der Spitze vorsichtig über den Fingernagel kratzt merkt man einen deutlichen Unterschied.


Jeansnadeln (130/705 H-J) haben eine blaue Farbmarkierung. Auch sie haben eine kleine Kugelspitze. damit sie leichter und ohne Materialschäden durch feste Stoffe dringen können. Außerdem haben sie einen verstärkten Schaft, so dass die Nadel weniger stark ausgelenkt wird. So werden Nadelbrüche und Fehlstiche vermieden. Jeansnadeln gibt es in NM 70 bis NM 110, sie eignen sich für Arbeitskleidung, Denim, Jeans, Köper und Segeltuch.

Ledernadeln (130/705 H-LL) sind braun
markiert und haben eine Schneidspitze (Lederlinksspitze). So gehen sie ganz leicht durch Leder, zerstören aber alle Maschenwaren und auch Gurtband. Es gibt sie in NM 70 bis NM 120. Vorsicht beim Einsetzen in den Nadelhalter, an der Klinge kann man sich auch schön den Finger aufschneiden. Sie eignen sich für Leder und sehr dickes, festes Kunstleder.


Microtex-Nadeln (130/705 H-M) sind lila markiert und durch die besonders spitze und dünne Spitze dringen sie leicht in sehr feine oder dicht gewebte Stoffe ein. Es gibt sie in NM 60 bis NM 110. Sie eignen sich für besonders gerade Stiche bei Absteppen von Kanten und für Materialien wie dünnes Kunstleder, Popeline, Filz, Folien, Wachstuch, Chiffon, Crash, Brokat, Georgette, Crêpe, Lamé, Seide, Softshell, Microfaser, Nylon, Organdy, Organza, Pailettenstoffe, Polyester, Taft oder beschichtete Materialien.

Steppnadeln (130/705 H-Q) haben eine besonders dünne und leicht verrundete Spitze. So können sie dicke Lagen gut durchdringen ohne das Material zu beschädigen. Es gibt sie in NM 75 und NM 90 und sie haben eine grüne Farbmarkierung. Sie eignen sich für Stepp- und Abstepparbeiten, zum Quilten und für Patchworkarbeiten. 

Sticknadeln (130/705 H-E) haben eine kleine Kugelspitze und ein besonders breites Öhr. Auch die Fadenrinne ist extra breit, so dass auch dickere Fäden und Wollfäden ohne Probleme genutzt werden können. Es gibt sie in NM 75 und NM 90, sie sind rot markiert.

Metallicnadeln (130 MET) haben ein extra langes Nadelöhr. Mit ihnen verarbeitet man Spezial- und Effektfäden, vor allem Metallfäden. Sie sind altrosa markiert und haben NM 80 oder NM 90.

 
Dann gibt es auch noch Zwillingsnadeln, zur Nutzung werde ich in Kürze auch noch ein Tutorial schreiben. 
Zwillingsnadeln gibt es als Universal-, Stretch-, Jeans-, Metallic- und Sticknadeln, ich werde hier nicht über alle etwas schreiben. Der Abstand der Nadeln zueinander wird mit NE bezeichnet und in mm angegeben. Auch Zwillingsnadeln gibt es in verschiedenen Nadelstärken.
Bei den Zwillingsuniversalnadeln gibt es Nadeln mit NE 1,6 - 2,0 - 2,5 - 3,0 - 4,0 - 6,0 und 8,0 mm, bei den Zwillingsstretchnadeln gibt es Nadeln mit NE 2,5 und 4,0 mm. Es gibt auch eine Zwillingsjeansnadel mit einem NE von 4,0 mm.
Außerdem gibt es noch Drillingsuniversalnadeln mit NE 2,5 und 3,0 mm. 


Ansonsten ist es wichtig zu wissen, dass Nadeln Verbrauchsmaterialien sind!
Abgenutzte, stumpfe, verbogene oder nicht zum Stoff passende Nadeln können nicht nur den Stoff zerstören oder ein schlechtes Stichbild verursachen, wenn sie brechen können sie auch leicht ins Gesicht fliegen!
Fehlstiche und ein schlechtes Stichbild sind meist mit einem Nadeltausch zu beheben.

Hier mal ein paar Beispiele:

oben links: abgebrochene Zwillingsnadel und abgebrochene Zwillingsnadel mit Rest-Öhr, Achtung: Der Faden springt nicht raus und man kann weiter nähen, gibt aber riesige Löcher im Stoff
oben Mitte: Das passiert wenn man mal eine Stecknadel vergisst und drüber näht ;)
oben rechts: Bei dieser Jerseynadel ist nur die Spitze minimal verzogen, dadurch werden aber Fäden aus dem Stoff gezogen und es gibt Löcher.
unten links und rechts: durchgebrochene Nadeln, die abgebrochenen Teile können ins Gesicht fliegen
unten Mitte: verbogene Nadeln, die ein schlechtes Stichbild verursachen und auf den Greifer oder andere Teile aufknallen und so die Mechanik zerstören können

Als Übersicht und schnelle Nadelhilfe empfehle ich das Schmetz Nadel-ABC für Haushaltsnähmaschinen!

Ich hoffe, dieser Post hilft euch weiter! Wenn ihr noch Fragen habt könnt ihr gerne die Kommentarfunktion nutzen oder mir eine E-Mail schreiben ;)

Kommentare:

  1. spitzen Erklärung .Danke!

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  2. Einfach toll. Das wusste ich gar nicht alles über Nadeln. Vielleicht bleiben mir in Zukunft Fehlstiche ersparrt. DANKE

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    1. Gerne :)
      Fehlstiche solltest du damit nicht mehr haben, vorausgesetzt du nutzt keine abgenutzten Nadeln ;)

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  3. Manchmal wird auf superstretch Nadeln geschworen. Besonders auf den Maschinen von w6 sollen die
    verwendet werden. Ist das die Weiterentwicklung der stretch Nadeln?
    danke übrigens für das spitzen tutorial

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    1. Nein, mein Text oben bezieht sich auf die Nadeln von Schmetz, von W6 werden Nadeln von Organ empfohlen. Stretchnadeln heißen bei Organ Superstretchnadeln, sie sind aber vom Aufbau her identisch.
      Schmetz bietet zusätzlich noch Spezialnadeln vom Typ HAx1 SP für Overlockmaschinen an, diese heißen bei Schmetz Superstretchnadeln.

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  4. Danke Lisa für diese schöne Zusammenfassung!
    LG, Sandra con CoelnerLiebe

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  5. Das ist wirklich eine sehr hilfreiche Übersicht. Vielen Dank dafür!
    Mit welcher Nadel nähe ich denn am besten Softshell (Rückseite Microfleece)? Universalnadel?
    Danke und LG, Sarah

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    1. Hallo Sarah,
      Softshell näht man am besten mit Microtexnadeln. Wenn man diese nicht zur Hand hat, geht auch eine dünne Universalnadel.

      Liebe Grüße
      Lisa

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