Samstag, 9. August 2014

Tutorial: Nähen mit der Zwillingsnadel

Die Zwillingsnadel ist eine der Spezialnadeln. Am Schaft ist ein Balken befestigt, der in zwei nebeneinanderstehende Nadeln übergeht. Somit kann man mit der Zwillingsnadel exakt parallele Nähte hervorbringen. Mit der Zwillingsnadel kann man sehr schöne Säume nähen und toll Bündchen absteppen, braucht aber etwas Übung! Das Ergebnis sieht dann aber von außen aus wie professionelle Covernähte, nur von der linken Seite sieht man den Unterschied. 
Der Unterfaden läuft im Zickzack zwischen den beiden geraden Nähten auf der Oberseite hin und her, was die Naht dehnbar macht. Analog dazu funktioniert die Drillingsnadel.

Hier seht ihr Ober- und Unterseite einer Zwillingsnaht:
Oberseite
Unterseite

Es gibt verschiedene Typen von Zwillingsnadeln, einen Überblick findet ihr hier und hier!
Im Foto seht ihr die von mir am häufigsten genutzten Zwillingsnadeln:

Um Zwillingsnadeln zu nutzen, braucht man eine Vollzickzackmaschine und am besten einen zweiten Garnrollenhalter. Den kann man sich aber auch selbst bauen, indem man entweder einen Schaschlikspieß an die Maschine klebt oder ein hohes Glas hinter die Maschine stellt, in das man die Garnrolle stellt.

Genäht wird also mit zwei Oberfäden und einem Unterfaden. Ich habe hier zur besseren Sichtbarkeit drei verschiedene Farben genutzt.

Vor dem Nähen ist es wichtig, dass Nähfuß und Stichplatte eine ausreichend breite Aussparung haben. Mit Geradstichfüßen und Geradstichplatten funktioniert es nicht! Bei einigen Maschinen nutzt man den Standard-Nähfuß, bei anderen den Zickzackfuß, dieser hat eine extrabreite Aussparung. Wenn ihr euch nicht sicher seid, lest in eurer Anleitung nach oder probiert ganz vorsichtig aus, ob genug Platz ist.

Beim Nähen mit der Zwillingsnadel sollte man die Nadelposition mittig einstellen.

Bevor man loslegt, sollte man unbedingt überprüfen, dass die Nadel nicht an Nähfuß, Stichplatte, Greifer oder Spulenkapsel anstößt. Dies beschädigt nicht nur die Nadel, sondern kann auch den Greifer beschädigen oder die Maschineneinstellung verstellen. Um dies zu vermeiden befestigt man die Zwillingsnadel am Nadelhalter, stellt einen mittigen Geradstich ein und dreht langsam und vorsichtig am Handrad um ein paar Probestiche zu nähen. Wenn dabei die Nadel frei beweglich ist, weder irgendwo scheuert noch anstößt, kann man vorsichtig mit dem Pedal eine höhere Geschwindigkeit ausprobieren.
Wenn auch dabei alles gut geht, kann man mit dem Einfädeln beginnen.

Die beiden Oberfäden sollten bis zu den Nadeln möglichst getrennt geführt werden, sie werden einfach nacheinander genauso eingefädelt wie ein einzelner Oberfaden. Kurz vor der Nadel müssen sie dann getrennt in diese kleinen Häkchen eingelegt werden. Wenn man nur ein Häkchen hat, fädelt man nur einen Faden in das Häkchen ein, der andere läuft dann vor dem Häkchen. Dann wird jeweils ein Faden in jede Nadel eingefädelt. Durch Drehen am Handrad holt man nun vorsichtig den Unterfaden nach oben.



Mit der Zwillingsnadel sollte man unbedingt ein paar Probestiche auf dem zu nähenden Stoff machen, oft muss die Fadenspannung angepasst werden. Es soll weder der Unterfaden auf der Oberseite sichtbar sein, noch soll sich der Stoff zwischen den beiden Nähten zu einer Wulst zusammenziehen. Dazu muss man die Oberfadenspannung in der Regel ordentlich erhöhen. Bei meiner Maschine muss ich die Fadenspannung beim Nähen mit der Zwillingsnadel je nach Stoff zwischen 6 und 8 einstellen, die mittige Position ist 4. Die Unterfadenspannung sollte allerdings nicht gelockert werden. Oft bekommt man sie danach nicht mehr richtig eingestellt und eigentlich ist das auch nicht nötig. Es reicht, wenn sie im Rahmen einer Wartung ganz fein nachjustiert wird.
Auch die Stichlänge sollte man etwas anpassen, sie sollte nicht kleiner als 2,5 mm sein, besser sind 3-5 mm, ich nähe meistens mit 3,5-4 mm Stichlänge.
Wenn ich mit der Zwillingsnadel nähe, mache ich die ersten Stiche immer mit dem Handrad, anschließend nähe ich dann mit dem Pedal los. Wichtig ist, dass man unter keinen Umständen am Stoff zieht! Die Zwillingsnadeln sind in der Regel nicht so stabil wie normale Nähmaschinennadeln und brechen recht leicht.
Mit der Zwillingsnadel vermeide ich es außerdem rückwärts zu nähen, dabei brechen die Nadeln oft. Deshalb nähe ich zum Beispiel bei einem Saum ein paar Zentimeter, stoppe und lasse die Nadeln im Stoff stecken, ziehe die Oberfäden mt einer Handnähnadel auf die linke Seite und nähe dann vorsichtig weiter. Kurz bevor ich wieder am Anfang der Naht ankomme, nähe ich wieder mit dem Handrad und stelle die Stichlänge beim letzten Stich so ein, dass er genau an den Anfang der Naht trifft. Auch diese beiden Oberfäden ziehe ich auf die linke Seite und verknote dort dann alle sechs Fäden miteinander. Da dies wesentlich ordentlicher aussieht als eine verriegelte Naht, nutze ich diese Methode auch wenn ich nur mit einer Nadel nähe. Ich verriegle also nur dort, wo man es nicht sieht ;)

Hier seht ihr eine Zwillingsnadel im Einsatz:


Es ist außerdem wichtig zu wissen, dass man bei den meisten Maschinen mit der Zwillingsnadel nur einen Geradstich nähen kann. Bei einigen Maschinen geht aber mit einer schmalen Zwillingsnadel (NE < 2,5mm) auch ein schmaler Zickzackstich. Hier ist es aber besonders wichtig, vor dem Nähen ein paar Probestiche zu machen um sicherzugehen, dass die Nadel nirgendwo anstößt!

So kann man aber auch mit einer normalen Nähmaschine wunderschöne Säume nähen:
Auf Webware...

...Jersey...

...oder Interlock.

Hier seht ihr den Einsatz der Zwillingsnadel bei Jersey und Sweat im direkten Vergleich.

Hier seht ihr den Einsatz der Zwillingsnadel im Rahmen einer Streifenversäuberung:

Man kann auch Bündchen absteppen oder parallele Ziernähte setzen. Ein Foto dazu wird bald nachgereicht ;)

Die Zwillingsnadel ist also ein sehr vielseitiges Hilfsmittel beim Nähen, die den Nähstücken eine professionelle Erscheinung gibt!

Kommentare:

  1. Hallo Lisa,
    mit meiner neuen Maschine habe ich im Sommer angefangen mit der Zwillingsnadel zu nähen. Bei meiner Maschine gehen auch einige der Zierstiche... allerdings sehen nicht alle sonderlich toll auch aus. Meis tnutze ich geradestich, schmalen Zickzackstich oder einen Wellenstich.
    Bei Jersey funktioniert der 3-fach-geradstich sehr gut..... sieht dann noch mal schöner aus.
    Zickzackstich funktioniert bei mir aber nur fehlerfrei, wenn ich ohne zu stoppen durchnähe. Stoppe ich, lässt er eine Zacke aus. daher nähe ich damit nur kurze Strecken und zieh erst am Ende alle Fäden auf die linke Seite zum Verknoten.
    Noch ein Tipp von mir: Man braucht nicht unbedingt zwei Garnrollen der gleichen Farbe. Bei mir geht es auch sehr gut, wenn ich das Garn auf eine zweite Spule spule... und diese dann auf den zweiten Garnrollenhallter stecke. So spart man sich das Geld für eine zweite Garnrolle.
    Grüße Sonnenblume

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    1. Genau, Unterfadenspulenkann man sehr gut statt der zweiten garnrolle nutzen, das mache ich auch ganz oft.
      Das Problem mit dem Zickzackstich und Fehlstichen habe ich nicht, selbst wenn man stoppt sollte die Maschine danach ja einfach da weiternähen wo sie vorher stehen geblieben ist. Aber wichtig ist, dass du für dich eine Methode gefunden hast, mit der es gut klappt ;)

      Liebe Grüße
      Lisa

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  2. Hallo Lisa, vielen Dank für dieses tolle Tutorial! Ich habe zwar schon mit der Zwillingsnadel genäht, aber die Nähte hatten immer diesen unschönen Wulst u ich bin so froh, dass ich nun weiß, wie ich es besser machen kann 😊
    LG Sabine

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    1. Liebe Sabine,
      es freut mich, dass dir mein Tutorial weitergeholfen hat. Sollten noch Fragen auftreten, melde dich einfach!

      Liebe Grüße
      Lisa

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  3. Hallo Lisa,
    endlich habe ich mir mal Dein Tutorial angesehen. Nach einigem Ausprobieren, habe ich jetzt eine schöne Zwillingsnaht. Der springende Punkt, wie es so schön heißt, war die Fadenspannung. "Deutlich" nach oben regulieren heißt bei meiner Nähmaschine die maximal mögliche Einstellung. Und was soll ich sagen? Auf den ersten Blich perfekt, mal sehen, was der Alltagstest so mit sich bringt.
    Vielen lieben Dank für die tolle und ausführliche Erläuterung! Fühl Dich gedrückt, Sandra <3

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  4. Hallo Lisa,
    So gern hätte ich eine Covermaschine. Aber wie das bei vielen von uns so ist, brauchen tut man sie nicht wirklich- nur, man hätte sie gern. Nach Alternativen für schöne Bündchen, bin ich dann heute auf deinen Post aufmerksam geworden. Danke für die Tips, ich werde mich schnellstens daran versuchen ;-))
    Alles Liebe,
    Brigitte

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